Graubünden – Italien – Tessin
Bahnreise mit GA: Albula- und Berninalinie, Bernina-Express-Bus über den Comersee, Rückkehr wahlweise über den Gotthard (Tessin, 3 Tage) oder über Centovalli-Bahn und Simplon (Wallis, 4 Tage)
Die Idee
Eine grosse Bahn-Rundreise, die mehrere Höhepunkte der Sammlung miteinander verbindet: die Albula- und die Berninalinie durch Graubünden, einen Tag in Italien und die Rückkehr entweder durchs Tessin über die alte Gotthard-Bergstrecke, oder – mit einer Nacht mehr – über eine zweite italienische Bahnstrecke (Centovalli-Bahn) und die Simplon-Linie ins Wallis. Die ersten zwei Tage sind bei beiden Varianten identisch: eine Übernachtung in Tirano (Italien) und eine in Bissone bei Lugano (Tessin), beide bewusst ausserhalb der teuren Zentren, aber mit kurzer Bus- oder Bahnanbindung dorthin. Ab dem dritten Tag entscheidet ihr, welche Variante es sein soll. Die Bahnabschnitte in der Schweiz sind mit dem GA gedeckt; für den Bus Tirano–Lugano sowie für die italienischen Abschnitte gelten die Hinweise weiter unten.
Tag 1 — Durchs Graubünden nach Italien: Albulalinie und Berninalinie
Von zu Hause über Solothurn, Olten und Zürich nach Chur (rund 2¾–3 Std.), dann mit der Rhätischen Bahn auf zwei der schönsten Bahnstrecken der Welt weiter: zuerst die Albulalinie Chur–St. Moritz (rund 2 Std., u. a. Landwasser-Viadukt, Wiesen-Viadukt und die Kehrtunnel zwischen Bergün und Preda), dann nach einem kurzen Zwischenhalt in St. Moritz die Berninalinie über den höchsten Bahnübergang der Alpen hinunter nach Tirano (rund 2¼ Std., mit Halten am Berninapass, Alp Grüm und in Poschiavo). Beide Strecken gehören zum UNESCO-Welterbe „Rhätische Bahn in der Landschaft Albula/Bernina“ und sind mit dem GA vollständig gedeckt — wichtig dabei: die regulären RhB-Züge fahren, benötigt keine kostenpflichtige Panoramazugreservation.
| Etappe | Verbindung | Ca. Fahrzeit | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Lohn-Ammannsegg → Chur | Bus/Bahn via Solothurn, Olten, Zürich | ca. 2¾–3 Std. | Normale IC-Verbindung, keine Reservation nötig |
| Chur → St. Moritz | Albulalinie (RhB, regulärer Zug) | ca. 2 Std. | Landwasser-Viadukt, Aussicht rechts sitzen |
| St. Moritz | kurzer Zwischenhalt | 30–60 Min. | Spaziergang am See oder zum Lej da Staz |
| St. Moritz → Tirano (I) | Berninalinie (RhB, regulärer Zug) | ca. 2¼ Std. | Halt Alp Grüm empfehlenswert; Ausweis bereithalten |
Zwischenhalt-Tipp: Alp Grüm und Poschiavo
Alp Grüm – Belvedere Alp Grüm, direkt am Bahnhof auf 2091 m: Pizzoccheri und Capuns auf der Terrasse mit Blick hinunter ins Puschlav und nach Italien. Da mehrmals täglich Züge halten, lässt sich hier problemlos eine Stunde einplanen.
Poschiavo – Ristorante Motrice in der Altstadt (beim Museo Poschiavino): ausgezeichnete Puschlaver Küche (Pizzoccheri, lokale Salami und Mortadella), mehrfach ausgezeichnet. Lohnt sich als längerer Zwischenhalt mit späterem Anschlusszug.
Übernachtung 1: Tirano (Italien)
Günstig & zentrumsnah – Rooms & Breakfast Tirano, nur rund 50 m vom Bahnhof entfernt, sehr gut bewertet, einfacher Standard zu fairem Preis.
Alternative – Hotel Corona, ebenfalls in Bahnhofsnähe, unkompliziert und preiswert; oder Hotel Bernina direkt am Bahnhofsplatz, etwas komfortabler, mit eigenem Restaurant.
Zum Essen – Ristorante dell'Hotel Bernina am Bahnhofsplatz (Valtellina-Küche und Pizza) oder Pizzeria Foglia d'Oro in der Via XX Settembre im Städtchen – einfacher, aber sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.
Tag 2 — Vormittag in Tirano, dann mit dem Bus über den Comersee ins Tessin
Der Vormittag gehört Tirano selbst: die barocke Wallfahrtsbasilika Madonna di Tirano, ein Bummel durch die kleine Altstadt und ein Cappuccino auf der Piazza – italienisches Lebensgefühl direkt an der Grenze. Am Nachmittag geht es weiter mit dem Bernina-Express-Bus, einer Postauto-Linie, die Tirano über Chiavenna und den Comersee (Menaggio) direkt mit Lugano verbindet – rund 3 Std. 10 Min. quer durch eine zweite, ganz andere italienische Landschaft.
| Etappe | Verbindung | Ca. Fahrzeit | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Tirano | Vormittag frei: Basilika, Altstadt | bis ca. 14:00 Uhr | Fahrplan 2026: Bus ab 14:20 Uhr |
| Tirano → Lugano | Bernina-Express-Bus (Postauto) | ca. 3 Std. 10 Min. | Ankunft Lugano Stazione Nord ca. 17:30 Uhr |
| Lugano → Bissone | S-Bahn Tessin oder Bus | ca. 10–15 Min. | Übernachtung am See, ausserhalb des teuren Zentrums |
Wichtig zum Bus Tirano–Lugano
Reservation Pflicht – Sitzplatzreservation ist obligatorisch und kostenpflichtig (ca. CHF 16.– pro Person in der Sommersaison), buchbar im SBB-Shop, in der SBB-App oder telefonisch bis 1 Std. vor Abfahrt.
Saisonal – Die Linie verkehrt laut Fahrplan 2026 täglich vom 26. März bis 25. Oktober, danach bis 22. November nur Donnerstag bis Sonntag. Ausserhalb dieser Zeit müsste die Rückroute über St. Moritz und den Gotthard gewählt werden.
Ausweis – Grenzübertritt Schweiz–Italien; Ausweis oder Pass mitführen.
Übernachtung 2: Bissone bei Lugano (Tessin)
Direkt am See – Albergo Ristorante La Palma in Bissone, unmittelbar am Ufer des Luganersees, wenige Schritte vom Hafen und von der Bushaltestelle „Bissone Paese“ – deutlich günstiger als ein Hotel im Zentrum von Lugano, mit S-Bahn nur rund 10 Minuten davon entfernt.
Alternative – Hotel Lago di Lugano, ebenfalls in Bissone, mit Seeblick, Terrasse und Aussenpool.
Zum Essen – Seeterrasse des Hotels La Palma, oder ein kurzer Abstecher mit dem Bus/Schiff ins autofreie Fischerdorf Gandria für einen echten Grotto-Abend (siehe Tag 3).
Tag 3 (Vormittag) — Tessiner Morgen, dann die Weichenstellung der Reise
Der Vormittag bleibt entspannt: von Bissone ist es nur ein kurzer Bus- oder Fussweg nach Melide (Swissminiatur) oder ins hübsche Morcote mit Seepromenade und der Kirche Santa Maria del Sasso hoch über dem Dorf. Wer lieber noch einen Grotto-Zwischenstopp will, nimmt das Schiff oder den Bus ins autofreie Gandria. Am Nachmittag stellt sich dann die einzige wirkliche Weichenstellung der ganzen Reise: entweder direkt nach Hause über den Gotthard (Variante Tessin, siehe unten), oder weiter über eine zweite, ganz andere italienische Bahnstrecke ins Wallis (Variante Wallis, eine Nacht mehr).
Grotto-Tipp für den Vormittag: Gandria
Grotto Teresa – direkt am See mit Bootsanlegestelle, offene Grillküche, hausgemachte Desserts, Tische unter alten Bäumen mit Seeblick.
Grotto Descanso – etwas oberhalb im Ortsteil Cantine di Gandria, unter Pergolen, feine Tessiner Küche und lokale Weine.
Tag 3 (Nachmittag) — Heimfahrt über den Gotthard
Von Lugano geht die Heimreise über Bellinzona und – statt durch den Basistunnel – über die alte Gotthard-Bergstrecke Airolo–Göschenen, die selbst zu den grossen Panoramastrecken der Sammlung zählt, weiter über Luzern oder Arth-Goldau, Zürich/Olten, Solothurn und Lohn-Ammannsegg.
| Etappe | Verbindung | Ca. Fahrzeit | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Lugano → Bellinzona → Göschenen | Gotthard-Bergstrecke (statt Basistunnel) | ca. 2 Std. | Panoramastrecke, keine Reservation nötig |
| Göschenen → Solothurn → Lohn-Ammannsegg | via Luzern/Zürich oder Arth-Goldau | ca. 2¼–2½ Std. | Je nach Anschluss; alternativ direkt via Basistunnel ca. 1 Std. kürzer |
Tag 3 (Nachmittag) — mit der Centovalli-Bahn zurück nach Italien und über den Simplon ins Wallis
Von Lugano zunächst mit der S-Bahn nach Locarno (rund 55 Min.), dort umsteigen auf die Vigezzina-Centovalli-Bahn: eine der schönsten Schmalspurstrecken der Alpen, die sich durch die hundert Täler des Centovalli und Vigezzo-Tals schlängelt und dabei erneut die Grenze nach Italien überquert (rund 2 Std. bis Domodossola). In Domodossola direkter Anschluss auf die historische Simplon-Linie zurück in die Schweiz: nur rund 26–29 Minuten bis Brig. So lernt ihr auf derselben Reise zwei ganz unterschiedliche Alpentäler kennen, bevor ihr ins Wallis eintaucht.
| Etappe | Verbindung | Ca. Fahrzeit | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Lugano → Locarno | S-Bahn Tessin (TILO) | ca. 55 Min. | Kurzer Zwischenhalt möglich, z. B. Ascona |
| Locarno → Domodossola (I) | Centovalli-Bahn (Vigezzina, regulärer Zug) | ca. 2 Std. | Reservation optional (CHF 5.–); kleiner Zuschlag auf dem italienischen Abschnitt (ca. CHF 1.50, im Zug lösen) |
| Domodossola → Brig | Simplon-Linie (regulärer Zug) | ca. 26–29 Min. | Keine Reservation nötig; Ausweis bereithalten |
Übernachtung 3: Brig / Naters (Wallis)
Günstig, etwas ausserhalb – Hotel Haus Schönstatt in Naters, nur wenige Gehminuten von Brig-Bahnhof und Altstadt entfernt, ruhige Lage.
Zentral – Good Night Inn direkt in Brig, unkompliziert, mit Parkplatz und Restaurant.
Zum Essen – Restaurant Walliserstuba in der Briger Altstadt: Raclette, Fondue und die Walliser Spezialität „Cholera“ in gemütlicher Stube — sehr gut bewertet, Reservation empfehlenswert.
Tag 4 — Brig und Heimfahrt über die Lötschberg-Bergstrecke
Der Vormittag gehört Brig: das mächtige Stockalperschloss (eine der grössten Barockanlagen der Schweiz), die Altstadt und ein Kaffee auf dem Stadtplatz. Wer noch Zeit und Lust hat, kann für einen Blick auf den Aletschgletscher nach Fiesch oder auf die Bettmeralp abstecken (siehe Tipp) — sonst geht es am Nachmittag gemütlich über die Lötschberg-Bergstrecke via Kandersteg, Spiez und Thun zurück Richtung Solothurn.
| Etappe | Verbindung | Ca. Fahrzeit | Hinweis |
|---|---|---|---|
| Brig | Vormittag: Stockalperschloss, Altstadt | 1½–2½ Std. | Optional: Abstecher Richtung Aletschgletscher, siehe Tipp |
| Brig → Spiez | Lötschberg-Bergstrecke via Kandersteg | ca. 1 Std. | Panoramastrecke; alternativ Basistunnel ca. 20 Min. kürzer |
| Spiez → Solothurn → Lohn-Ammannsegg | via Thun und Bern | ca. 1¾–2 Std. | Normale IC/RE-Verbindung |
Optionaler Umweg: Blick auf den Aletschgletscher
Fiesch–Eggishorn – Bahn ab Brig nach Fiesch (ca. 20 Min.), dann Luftseilbahn aufs Eggishorn — einer der schönsten Blicke auf den grössten Alpengletscher der Alpen; nur bei guter Sicht lohnend, Bergbahn kostet zusätzlich bzw. ist mit GA ermässigt.
Zeitplan – Dieser Umweg verlängert den Vormittag um gut 2–3 Std.; nur einplanen, wenn ihr Tag 4 etwas mehr Zeit gebt.
Vor der Abreise prüfen
- Alle Fahrzeiten sind Richtwerte (Stand Redaktion Sammlung: Juli 2026); die konkrete Verbindung kurz vor der Reise in der SBB-App prüfen.
- Für den Bus Tirano–Lugano rechtzeitig die Platzreservation buchen – die Plätze sind limitiert, besonders in der Hochsaison.
- Ausweis oder Pass für alle Grenzübertritte (Tirano, ggf. Comersee-Region, bei der Wallis-Variante zusätzlich Locarno–Domodossola) nicht vergessen.
- Reisezeit ausserhalb Ende März bis Ende Oktober: Der Bus Tirano–Lugano verkehrt dann nicht täglich bzw. gar nicht – als Ersatz die Rückfahrt St. Moritz–Chur–Gotthard einplanen.
- In Tirano und Bissone empfiehlt sich für die Hochsaison (Juli/August) eine frühzeitige Zimmerreservation; bei der Wallis-Variante gilt das auch für Brig/Naters.
- Variante Wallis: Auf der Centovalli-Bahn ist die Reservation nur optional, lohnt sich in der Hochsaison aber für einen Fensterplatz; der kleine italienische Streckenzuschlag wird im Zug bezahlt.
- Genannte Hotels und Restaurants sind redaktionelle Beispiele mit guten Online-Bewertungen, keine bezahlten Empfehlungen; Öffnungstage und Preise vor der Reise prüfen.